Mein Vater ist mein Chef!

Was ist, wenn dein Chef dir morgens den Frühstückskaffee kocht oder abends zusammen mit dir einen Film schaut? Das kann passieren, wenn du eine Ausbildung im Familienbetrieb machst und dein Vater gleichzeitig dein Vorgesetzter ist. So wie bei Dennis!

Eigentlich läuft im Bäckereibetrieb, in dem Dennis seine Ausbildung macht, alles ganz normal. Es gibt Festangestellte, Aushilfen und zwei Azubis, trotzdem ist es für den 18-Jährigen schon komisch, dass sein Papa gleichzeitig auch sein Chef ist. „Das war am Anfang schon eine nicht ganz so leichte Entscheidung“, erzählt der Stuttgarter. Aber nach ausführlichen Gesprächen innerhalb der Familie, hat er sich dazu entschlossen, die Ausbildung anzugehen. Und das nicht bei einem Konkurrenten, wie es bei Sprösslingen von Familienunternehmern häufig der Fall ist, sondern im eigenen Betrieb.

Mehr als nur Sohn

Am meisten war Dennis gespannt darauf, wie die Mitarbeiter sich ihm gegenüber verhalten. Schließlich kennen viele den Jungen schon als Kind. Dennis erinnert sich: „Ich musste mich gerade zu Beginn schon beweisen. Die älteren Kollegen sollten eine andere Seite an mir kennenlernen. Außerdem will man gerade als Sohn vom Chef zeigen, dass man nicht nur angestellt wurde, weil der Papa den Laden führt.“ Das hat auch geklappt, denn mittlerweile übernimmt Dennis schon eigene Aufgaben, lässt sich sonst von den erfahrenen Mitarbeitern einarbeiten und weiterhelfen. „Es ist schon gut, dass mein Papa nicht mein direkter Ansprechpartner im Betrieb ist, sondern ein angestellter Meister. Alles andere wäre dann doch ein wenig komisch“, gibt Dennis zu bedenken.

Gleiche Behandlung für alle

Damit Dennis sich im Unternehmen und bei den Kollegen gut einlebt, achtet sein Vater darauf, dass für ihn die gleichen Regeln gelten wie für alle anderen auch. „Das geht von der für Azubis üblichen Bezahlung über Arbeitszeiten bis hin zu Urlaubstagen“, erklärt Dennis. Dass er mehr leisten muss als der andere Lehrling glaubt er nicht. „Ich empfinde es so, dass wir beide gleich behandelt werden.“ Dass dies nicht immer so leicht ist, weiß auch der angehende Bäcker. „Viele Freunde sagen mir, dass sie niemals mit ihren Eltern zusammenarbeiten könnten. Aber wir verstehen uns prima und das hat sich bislang durch den Job auch nicht verändert.“ Wichtig sei vor allem, alles Berufliche in der Bäckerei zu besprechen. „Zuhause haben wir dann andere Themen, die wichtig sind. Aber die Arbeit spielt dann keine Rolle“, betont Dennis.

Andere Betriebe kennenlernen

Dass er den Familienbetrieb nach der Ausbildung doch nochmal für eine gewisse Zeit verlässt, hält Dennis durchaus für möglich. Auch, um andere Arbeitsweisen und Abläufe kennenzulernen. „Vielleicht gehe ich auch ins Ausland, das weiß ich noch nicht genau.“ Sein Vater ermuntert ihn ebenfalls dazu, noch mal woanders Erfahrungen zu sammeln. Das ist vor allem wichtig, um nicht „betriebsblind“ zu werden. Denn es ist nur von Vorteil, auch einmal andere Arbeitsprozesse zu erleben.

Eines steht aber schon fest: „Meine Eltern finden es toll, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten möchte und auch vorhabe, unseren Betrieb irgendwann einmal zu übernehmen.“